Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung,
 
sehr geehrte Mitglieder des Kuratoriums zur Vorbereitung des Leipziger Lichtfests,
 
die Mitglieder der Jungen Union Leipzig besuchen seit vielen Jahren das Leipziger Lichtfest auf dem Augustusplatz. Wir sind sehr froh darüber, dass im Rahmen des städtischen Feiertages, des „Tags der Friedlichen Revolution", an die historischen Ereignisse vom Oktober 1989 in Leipzig erinnert wird.
 
Leider wurde in den letzten Jahren diese zentrale Gedenkveranstaltung Leipzigs immer unattraktiver. Aus unserer Sicht ist dies insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Erinnerung an die historischen Ereignisse und das mutige Handeln von hunderttausenden Menschen aus Leipzig und Umgebung immer weiter von aktueller Tagespolitik, ideologischer Gesellschaftskritik und anderen Themen verdrängt wurde. Dies kann nicht Sinn und Zweck des Gedenktags sein und stellt für uns daher derzeit eine offensichtliche politische Instrumentalisierung der Geschehnisse dar, die wir deutlich ablehnen. Gegenüber den jüngeren Menschen in unserer Stadt fühlen wir uns verpflichtet, die historischen Dimensionen dessen, was hier und in anderen Städten im damaligen Unrechtsstaat der DDR-Diktatur geschah, zu verstehen, greifbar und vor allem erlebbar zu machen. Die Geschichte der Wendezeit ist eines der großen identitätsstiftenden Momente unseres Landes und ein wesentliches Symbol für unsere Demokratie. Die damaligen Inhalte, Motivationen und auch Emotionen dürfen inhaltlich nicht verfälscht, verwässert oder ausgenutzt werden. Im Mittelpunkt muss stehen, dass sich sowohl Zeitzeugen, als auch Besucher Leipzigs, allen voran aber junge Menschen angesprochen fühlen - denn Geschichte muss vor allem für diejenigen erklärt werden, die die Zukunft unseres Landes gestalten werden! Wir dürfen hier weder nachlässig noch ungenau sein. Junge Menschen müssen einen realen Eindruck von den damaligen Geschehnissen vermittelt bekommen und nachfühlen können, wie und warum unsere Eltern und Großeltern sich dem damaligen System widersetzt haben. Nur so können wir unser heutiges demokratisches System würdigen und auch in Zukunft bewahren.
 
All dies wurde in der Organisation und thematischen Ausrichtung des Lichtfests wiederholt versäumt. Zudem sind dies unter anderem die Gründe dafür, warum wir den Rücktritt des künstlerischen Leiters, Herrn Meier, gefordert haben.
 
Als Junge Union Leipzig engagieren wir uns aber in erster Linie konstruktiv und bieten immer auch Lösungen. Im Folgenden finden Sie daher Vorschläge und Impulse unserer Mitglieder zur Zukunft des Leipziger Lichtfests :

  1. Die Ereignisse des Jahres 1989, die Erfahrungen und Erlebnisse der Bürger der Stadt Leipzig stehen im Mittelpunkt des Programms!
  2. Weniger Show, mehr Rückbesinnung auf die Geschehnisse und Stimmung des Herbst 1989!
  3. Mehr Zeitzeugen zu Wort kommen lassen!
  4. Größere Einbeziehung der (ehemaligen) Paulinerkirche als markanten Teil des Augustusplatzes, deren Geschichte in Leipzig stellvertretend für die Willkür und Ideologie des SED-Regimes steht (z.B. Organisation einer Podiumsdiskussion in der neuen Paulinerkirche mit Zeitzeugen)!
  5. Erstellung einer Wanderausstellung, die das ganze Jahr über durch Leipziger Schulen tourt und Gedanken der Schüler zur Wendezeit festhält! Das Ergebnis kann dann beim Lichtfest in der Paulinerkirche zusammen mit der Wanderausstellung präsentiert werden!
  6. Kostenloser Eintritt in entsprechende Museen, Stadtrundgänge, vertiefende Angebote für Schulen in der Woche rund um den 9. Oktober!
  7. Organisation von dezentralen Projekten neben den großen Ausstellungen, z.B. Implementierung einzelner Ereignisse ins Stadtbild (mittels Stelen, Baumpflanzung, Stolpersteinen, etc.) auf Stadt- bzw. Ortsteilebene durch Vereine, Verbände, Initiativen!
  8. Formate schaffen, bei denen junge Menschen bzw. interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen können!
  9. Veröffentlichung einer Broschüre, in der weniger bekannte Zeitzeugen über ihre damaligen Aktivitäten, ihr Engagement, ihre Motive und ihre persönlichen Erlebnisse berichten!
  10. Künstlerische Beiträge auf einer anderen Ebene schaffen, z.B. eine Komposition eines Auftragswerks durch einen Leipziger Komponisten zum 30. Jahrestag!
  11. Einrichtung eines zentralen Infopoints zur Wendezeit auf dem Augustplatz!
  12. Diskussion und Vorantreiben der Ideen rund um das Thema: Freiheits- & Einheitsdenkmal!

Im Namen der Mitglieder der Jungen Union Leipzig
 
Rainer Burgold                 
Vorsitzender JU Leipzig   

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